Die anthroposophische Klinik Dresden

Krankenhauskonzept

Der Raum Dresden hat eine alte und berühmte Tradition naturheilkundlicher Medizin..

Diese Tatsache ist auf Persönlichkeiten wie Samuel Friedrich C. Hahnemann (1755-1843), Begründer und Erforscher der Homöopathie, Carl Gustav Carus (1789-1869) Arzt und Forscher sowie Friedrich Eduard Bilz ( 1842-1922) "Die Natur war mein Leitstern" zurückzuführen.

Ein anthroposophisches Kulturleben existiert seit den frühen dreißiger Jahren mit der Gründung einer der ersten Waldorfschulen und eines der ersten heilpädagogischen Heime. Heute gibt es im Raum Dresden zwei allgemeinärztliche Gemeinschaftspraxen, ein Therapeutikum, eine häusliche Alten- und Krankenpflegeeinrichtung, eine Waldorfschule mit ca.400 Schülern, zwei Waldorfschulinitiativen, vier Waldorfkindergärten ein heilpädagogisches Heim sowie eine heilpädagogische Ambulanz.

Das Interesse an anthroposophischer Pädagogik und Medizin steigt.

Der Verein zur Förderung eines anthroposophisch orientierten Krankenhauses Dresden e. V. strebt an. auf diesen wachsenden Bedarf zu reagieren und zugleich die Tradition naturheilkundlicher Medizin in Sachsen fortzusetzen. Geplant ist die Umwandlung eines bestehenden Krankenhauses der Grund- und Regelversorgung aus der öffentlichen in eine frei gemeinnützige Trägerschaft. Dabei bleiben die bisherigen diagnostischen und therapeutischen Angebote bestehen und werden um die Möglichkeiten der anthroposophischen Medizin erweitert.

Gleichzeitig soll eine Forschungsabteilung entstehen, die klinische Studien sowie Untersuchungen über Qualitätssicherung und optimale Patientenbetreuung durchführt. Darüber hinaus sollen neue Wege in der Verbindung zwischen ambulantem und stationärem Bereich gesucht werden.

In Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern gibt es auf dem Feld der anthroposophischen Medizin bereits jahrzehntelange Erfahrungen. Für den Freistaat Sachsen bedeutet ein anthroposophi- sches Krankenhaus eine Bereicherung des Angebotes.

Die Klinikinitiative Dresden besteht seit 1997. Sie gründete im Oktober 1998 den gemeinnützigen Verein zur Förderung eines anthroposophisch orientierten Krankenhauses Dresden e. V. .

Der Initiativgruppe gehören Menschen an, die im Gesundheitswesen tätig sind (ÄrztInnen, Krankenschwestern/Krankenpfleger, Physiotherapeutlnnen, KunsttherapeutInnen, Heileurythmistlnnen, Heilpädagoglnnen) und überwiegend über eine anthroposophische bzw. eine komplementärmedizinische Weiterbildung verfügen. Fachleute aus Wirtschaft, Politik, Gesundheitswesen sowie Kultur stehen uns beratend und helfend zur Seite.

In der gegenwärtigen Lehrmedizin kennt das Krankheitsverständnis hauptsächlich physikalische und biochemische Faktoren. Diesen Blickwinkel erweitert die anthroposophische Medizin. Sie ist keine Alternativmedizin, sondern will auf der Basis der naturwissenschaftlich anerkannten diagnostischen und therapeutischen Methoden den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist behandeln.

Das Fundament für einen solchen ganzheitlich- medizinischen Ansatz bildet die Schrift "Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen" (1924) von Dr. Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie und Frau Dr. med.Ita Wegman.

Die Anwendung der anthroposophischen Medizin umfaßt eine spezifische Diagnostik und Therapie. Die um die anthroposophische Medizin erweiterte Betrachtungsweise des Menschen bezieht sich auf das Geistig-seelische im Menschen, wie sich die naturwissenschaftliche Erkenntnis auf das Physische bezieht.

Die Synthese aus naturwissenschaftlicher und anthroposophischer Medizin liefert die Gesichtspunkte, die in der Heilkunst für die Betrachtung und Behandlung des ganzen Menschen erforderlich sind.

Schadenfreude Erstaunen

Medizinisches Konzept

Zentrale ärztliche Aufgabe ist es, den Heilbedarf des kranken Menschen zu erkennen und ihn anzuregen. Nach anthroposophischem Verständnis sind Krankheiten nicht nur eine Störung im menschlichen Organismus, die es möglichst rasch zu überwinden gilt, sondern können darüber hinaus zur Entwicklung des Menschen beitragen. Es geht daher nicht lediglich um die Beseitigung der Krankheit, sondern um die Begleitung eines Prozesses, in dessen Verlauf Entwicklung möglich wird.

In der ärztlichen Therapie kommen, neben den etablierten naturwissenschaftlich diagnostischen und therapeutischen Methoden, Heilmittel aus dem Mineral-, Pflanzen- und Tierreich in homöopathischer und naturheilkundlicher Form zur Anwendung. Der kranke Mensch wird durch Gespräche in den Heilungsverlauf einbezogen, die Krankheit wird im Hinblick auf die biographische Situation des Patienten betrachtet, und es wird gemeinsam nach Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung gesucht. Auch Rahmenbedingungen wie Ernährung, Raumgestaltung und Außenanlagen können hierbei hilfreich sein.

Die Krankenpflege bildet ein zentrales Element therapeutischen Bemühens. Dazu bedient sie sich zahlreicher Heilmittel, Anwendungen und Übungen (wie Wickel, Auflagen, Öldispersionsbäder etc). Grundlage für eine solche Pflege ist das Beherrschen der klassischen pflegerischen Tätigkeitsfelder.

Neben bewährten Behandlungsverfahren wie z. B. Physiotherapie werden künstlerische Therapien wie Mal-, Plastizier- und Werktherapie sowie Heileurythmie, Musiktherapie und Sprachgestaltung angewendet.

Auf Wunsch des Patienten sollte es möglich sein, einen Seelsorger seiner Wahl einzubeziehen. Von einer pastoralen Seelsorge kann eine wesentliche Unterstützung für das Bemühen ausgehen, den kranken Menschen in seiner Entwicklung zu fördern.

Der gemeinsame Wille aller Mitarbeiter im Krankenhaus, einen Beitrag für die Heilung erkrankter Menschen zu leisten, bildet den Kern des sozialen Miteinanders.

Im Mittelpunkt der Betrachtung steht nicht mehr die Krankheit, sondern der individuelle Mensch und seine Krankheitstendenzen. Diese sollten frühzeitig erkannt werden. Durch ergänzende Maßnahmen sozialer und pädagogischer Art können sie vor Ausbruch solcher Anlage positiv beeinflußt werden. Ist dies nicht mehr möglich, gilt es für die therapeutische Gemeinschaft gemeinsam mit dem Erkrankten einen neuen Weg zu finden. Dies ist das grundlegende Motiv für die Tätigkeit jedes Mitarbeiters.

Neben dem stationären Krankenhausbetrieb sind folgende Vorhaben geplant:

Vernetzung des ambulanten mit dem stationären Bereich, die eine vor-, nach- sowie teilstationäre Betreuung ermöglicht. Der stationäre Aufenthalt wird dadurch minimiert, welche seine Kostenersparnis bedeutet.

.An das Krankenhaus sollen Sozialstationen für Kinder und Erwachsene etabliert werden, die die kontinuierliche Pflege für den Übergang aus der stationären Behandlung in den häuslichen Bereich gewährleisten.

* Kooperative Behandlungskonzepte chronisch Kranker ( wie z. B. eine "Herz- Schule", Koronarsportgruppe, ganzheitliche Schulungsansätze für Zuckerkranke, Asthma-Schulungen, insbesondere im pädiatrischen Bereich),

* Palliativ-Medizin: menschliche Begleitung von Schwerstkranken in Abhängigkeit ihrer Bedürftigkeit, bewußter Umgang mit Sterbenden, Verstorbenen und deren Angehörigen,

* Entwicklung von Präventivmaßnahmen, Aufklärungsarbeit und Schulung: Gesundheitserziehung, Beratung (Drogen, Alkohol, Empfängnisverhütung Geburt, Ernährung, Kinderbetreuung/Elternschule), Pflegeanleitung für Eltern und Verwandte,

* Forschung (finanziell unabhängig vom Krankenhaus): Durchführung von Studien, die Qualitätsmanagement, Krankheits- und Behandlungskonzepte, Behandlungszufriedenheit und Lebensqualität optimieren.

* Aufbau von Ausbildungsinstituten der verschiedenen Berufsgruppen: ärztliche Weiterbildung, Krankenpflege, Hebammen, Kunst- und Physiotherapie.

Mit diesem Konzept wird auf der Suche nach einem neuen Verständnis von Krankenhaus eine strukturell, organisatorisch und inhaltlich moderne Gesundheitseinrichtung entstehen.

Dr. med. Pia Inter, Dr. med. Michael Seefried, Michael Brandt

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